… was er mir sagen will.
Zuerst war es eine von vielen Stories, aber langsam beginne ich die Tragweite zu fassen.
Um es nochmal klar zu machen: Er arbeitet in der Notruf-Zentrale der 4.-größten Stadt Deutschlands. Was er da manchmal zu hören bekommt, spottet jeder, aber auch wirklich jeder Beschreibung. Manchmal.
Ausgenommen sind ausdrücklich die Ausländer, die mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuß stehen. (Versucht einmal, euch in türkisch in der Türkei verständlich zu machen …) Die meisten (nicht alle!!) dieser Leute lassen sich wenigstens noch ans Händchen nehmen, bis alles klar ist. Einsatzort, Einsatzart, Einsatzziel. Im Gegensatz zu den Deutschen …
Abgezogen sind auch die heftigen Prozentzahlen für die Leute, die einfach am Rand ihres Nervenkostüms stehen. Eine Situation, die ihr nicht jeden Tag habt. Ihr seid auf 180, ihr schreit, ihr brüllt (je kleiner das Handy ist, umso mehr ...), ihr glaubt, wenn ihr "hier" schreit, weiß das Gegenüber am 110er-Notruf automatisch, wo ihr seid und was los ist.
Dem ist nicht so. Punkt.
Kritisch sind die Leute, die glauben: "wenn ich 5x anrufe, wird mein Notruf/ mein Einsatz schneller erledigt." Auch dem ist nicht so.
Deswegen dauerte es etwas länger, bis ich -seine- Verwunderung endlich verstand. Er machte es mir vorhin im Telefonat noch deutlicher.
Da gab es eine Frau, die einen Wohnungseinbruch meldete.
Gut; der Einsatzort wurde genau bestimmt, der Name der Melderin, die Tel.-Nr. ... "der erste Wagen, der dafür frei wird, kommt hin!"
Aber es war Spätdienst ...
Heißt, es dauert halt etwas, bis dafür ein Auto frei wird. Die Kradfahrer - so sie noch im Dienst sind - nehmen in dieser Millionenstadt Verkehrsunfälle auf. Und die Autos - die werden benötigt für die vielen Bestrahlten, Doofen, Blöden; die meinen, sie könnten mal eben Randalierereien (Straßenbahn-Häuschen zerdeppern) oder Schlägereien (meist in der Innenstadt, aber auch gerne woanders) begehen. Und diese Sachen gehen nunmal vor Wohnungseinbrüche ... vom gern gesehenem Einsatzstichwort "Häusliche Gewalt" mal ganz abgesehen. Kostet 1 Auto für 2 Stunden, die Frau (meistens die Frau) hat Ruhe - alles ok. Der gewalttätige Kerl ist raus. Aber die Schreiberei ...
Ende vom Lied - diese einzelne Frau, die einen Wohnungseinbruch meldete, mußte bedingt durch die Anzahl der Autos bzw. Einsatzkräfte, die zur Verfügung standen, insgesamt 4x vertröstet werden. Sie reklamierte 4x in 2 Std. diesen Einbruch; 4x bekam sie zur Antwort - "Es ist kein Auto frei zZt.; der Erste, der frei wird, kommt zu Ihnen!"
Die Frau sitzt zu Hause. Da war jemand Fremdes. In ihrer Küche. In ihrem Wohnzimmer. Und - last but not least - in ihrem Schlafzimmer ... das intimste Irgendwas wurde von jemand Fremdes durchwühlt ... schonmal dieses Gefühl gehabt? Da werden Minuten zu Stunden ...
Beim vierten Mal passierte es dann. Sie bekam die Auskunft "Kein Auto frei!", sie interpretierte offenbar "kein Transportmittel verfügbar" und stellte folgendes in Aussicht: "Ich zahle Ihnen auch das Taxi bis zu mir!"
Das war der Moment, an dem der betreffende Kollege kurz vorm Heulen war. Man stelle sich vor: der Kollege stutzt, schluckt, weiß nicht mehr, was er sagen soll, drückt "der erste Freie kommt zu Ihnen!" raus und legt fassungslos auf ...
Er fragte mich fassungslos - "Sind wir soweit?" und ich wußte keine Antwort ...
Für ihn muß das wirklich eine Art Dolchstoß gewesen sein. Da bieten Dir die Leute schon ein Taxi an, damit ihre Einsätze schneller erledigt werden ...
Und - Leute - wenn ich ihn richtig verstehe, seid ihr noch nicht mal an eurer Schmerzgrenze angelangt. Bald heißt es möglicherweise "Raub? Mit Waffen? Kann sein, daß wir in 2 Stunden da sind!"
Spart ruhig an der inneren Sicherheit. Das ist -eure- Sicherheit. Nachts im Park? Alleine? Selbst schuld.
Den Polizisten an der Ecke - das wird zum Märchen. Das wirds nicht mehr geben.
Und gebt die Schuld daran nicht den Polizisten. Die "richtigen" wollen nachwievor die Drecksäcke fangen und die Redlichen beschützen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten (die immer geringer werden).
Gute Nacht.
P.S.:
Ich dachte oft, mein Kumpel ist einer dieser, naja, "Polizisten!", die sich halt daran halten, daß sie mir hin und wieder einen Zehner abluchsen können, weil ich wieder mal zu schnell war. Oder eins dieser Scheiß-Stopschilder mißachtet hab. Kostet auch schonmal mehr als einen Zehner. What shall's. Aber so langsam komm' ich drauf. Er sagte mir mal abends beim Bier: "Würden wir unsere Zeit mit euch nicht verplempern müssen, könnten wir den ganz großen Säcken in den Arsch treten. Aber bis dahin müssen wir uns eben auch um die kleinen Leute kümmern, die mal falsch parken oder so. Stellt das ein, und wir würden unsere Möglichkeiten an denen ausprobieren. Und glaub' mir, -die- kämen ans Rotieren ..."
Und seine Augen leuchteten ...